Teamwork – Die Geheimzutat für Erfolg

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Teamwork – Die Geheimzutat für Erfolg

Vor kurzem habe ich darüber geschrieben, warum Teamfähigkeit sich gewandelt hat und warum Teams für den Erfolg von Organisationen in einem komplexen Umfeld („VUCA-Welt“) wichtig sind. Dafür bedarf es aber einer besonderen Zutat im Teamgeflecht, die, wenn sie vorhanden ist, den Unterschied ausmacht.

Ich habe diese Geheimzutat selbst ein paar Mal erfahren dürfen. Dieses schöne Gefühl des Erfolges, wenn man gemeinsam etwas geschafft hat, was vorher niemand für möglich gehalten hat. Wenn man an einem gemeinsamen Ziel gearbeitet hat, jeder alles gegeben hat und man über sich selbst hinausgewachsen ist. Wenn man es kaum erwarten konnte, die Teammitglieder wiederzusehen, nachdem man sich voneinander verabschiedet hat. Und wo jeder das einbringen konnte, was ihn ausgemacht hat und den anderen den Raum gegeben hat, das gleiche zu tun. In solchen Umfeldern geht man ganz im Team auf und setzt alles daran, dass das Team Erfolg hat und das übergeordnete Ziel erreicht wird, weil es einem persönlich wichtig ist.

Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich das in dieser Intensität in einer Fußballmannschaft erlebt habe, im Sport also. Und auch, dass ich, obwohl ich seit den Kindergartentagen diesem Mannschaftssport nachgehe, dieses Gefühl von Teamwork nicht mit jeder Mannschaft deren Teil ich war, erfahren habe. Es müssen schon ein paar Dinge zusammenkommen, damit am Ende des Tages ein wirklicher Teamgeist entsteht. In den Fällen, in denen dies gelungen ist, sind wir als Team aber auch über uns hinausgewachsen. Wir waren vielleicht nicht die erfolgreichste Mannschaft in der Liga (und es war auch nicht die allerhöchste Liga), aber gemessen an dem, was andere Vereine einbringen konnten (Sponsoren, Prämien, Einzugsgebiet, …) haben wir alle überrascht.

Teamwork im Sport

Nicht alles, was im Sport als Team bezeichnet wird, ist auch wirklich ein Team im kollaborativen Sinne. Ich war zum Beispiel auch einige Jahre lang Teil einer Leichtathletikmannschaft. Allerdings hatte das mit Teamwork nicht viel zu tun. Man startete unter dem gleichen Teamnamen und es gab Wettbewerbe, wo Punkte der Einzelnen addiert wurden. Aber zusammenarbeiten um ein Ziel zu erreichen brauchte man nicht. Jeder konnte auch einzeln erfolgreich sein. Gleiches gilt für andere Sportarten, die zwar Mannschaftswettkämpfe ausrichten, aber dabei eher Einzelleistungen addieren (wie zum Beispiel Tennis).

Bei Mannschaftssportarten wie Fussball, Hockey, Volleyball, Handball, Basketball und vielen anderen mehr, ist das Team aufeinander angewiesen. Niemand kann alleine ohne die anderen gewinnen. Der herausragende Stürmer muss sich auf eine funktionierende Abwehr verlassen können, damit am Ende ein Tor mehr auf dem eigenen Konto steht als bei dem Gegner. Und wenn die Abwehr unter Druck ist, dann unterstützt der mannschaftsdienliche Stürmer diese und erhöht somit die Chance auf einen Erfolg. Ein Team, in dem die einzelnen Mannschaftsteile sich nicht unterstützen, bekommt in der Regel Probleme.

Zudem bedarf es eines gemeinsamen Ziels. Eine Fußballmannschaft will gemeinsam das Spiel gewinnen oder sogar eine Meisterschaft. Das ist der Prototyp eines gemeinsamen Ziels. Und was passieren kann, wenn man als Team wirklich alles für ein großes Ziel gibt, zeigen die großen Geschichten des Sports, wo plötzlich der David den Goliath schlagen kann. So wie 1954, als eine deutsche Mannschaft, die völliges Commitment zeigte, eine Übermannschaft aus Ungarn, die von der individuellen Klasse haushoch überlegen war, im Endspiel von Bern überraschend geschlagen hat und somit Fußballweltmeister wurde. Wir lieben den Sport, weil er solche Geschichten wie das „Wunder von Bern“ schreibt und Teamwork greifbar macht.

Teams im Berufsleben

Wie schon erwähnt sind performante Teams ein wichtiger Baustein für den Erfolg in der VUKA-Welt. Durch die Kollaboration können auch hier viele Dinge geschaffen werden, die für die einzelnen Teammitglieder nicht erreichbar wären. So, wie das Fußballteam sich auf dem Spielfeld selbst organisiert, so sollen auch die Teams in agilen Unternehmen sich selbstorganisiert um die Produkte kümmern. Auch hier gibt es spezielle Positionen. Statt eines Stürmers gibt es einen Entwickler, der Tester ist der Abwehrspieler und der Product Owner ist der Torwart. Interdisziplinäre Teams sind wichtig, niemand würde ein Team nur mit Stürmern oder Abwehrspielern in eine Partie schicken.

Es gibt also einige Parallelen, die man hier nicht alle aufzählen muss. Aber im Berufsalltag fällt es doch häufig noch viel schwerer, wirklich zu echtem Teamwork zu kommen. Denn jahrelang wurde persönliches Karrierestreben gepredigt, wurde zu Spezialisierung und Effizienz trainiert, gab es klare Entscheidungsketten und Manager, die genaue Vorgaben machten. Im Sport lernt man gerade im Amateurbereich, dass es vielen Menschen gar nicht leicht fällt, Mannschaftssport zu betreiben. Man muss sich aufeinander verlassen können und sein Ego zurücknehmen. Das ist auch für viele Erwachsene eine Herausforderung. Ich persönlich kenne viele talentierte Fußballer, die einfach nicht teamfähig waren und deshalb die Schuhe an den Nagel gehangen haben und in der Folge eine Einzelsportart ausübten. Warum sollte das im Berufsleben anders sein?

Das Ego, das Team und ein gemeinsames Ziel

Um zu Teamwork zu gelangen, muss jeder seinen Platz in dem Team finden. Dafür ist es wichtig, dass er sich, so wie er ist, mit allen Stärken und Schwächen, in das Team einbringen kann und das Gefühl hat, auch so respektiert zu sein. Nur, wenn jeder das Gefühl hat, dass er als Mensch und Individuum im Team einen Wert hat, dann wird er auch die Sicherheit haben, über das eigene Ego hinauszudenken. Nur dann kann echtes Vertrauen entstehen.

Fühlen sich alle als Individuum angenommen, dann geht es darum, die Beziehungen untereinander zu organisieren. Je größer die Gruppe, desto komplexer ist das Beziehungsgeflecht, das entsteht. Menschen leben seit Urzeiten in Gruppen zusammen und benötigen diese sozialen Beziehungen auch zum eigenen Wohlbefinden. Das heißt, grundsätzlich ist auch jeder für diese Art der Zusammenarbeit vorbereitet. In Teams muss man hier auf gemeinsame Werte und Vereinbarungen kommen, denen sich alle verbunden fühlen. Jeder muss die Chance haben, sich in Entscheidungen der Gruppe gleichermaßen einbringen zu können und Mitbestimmen zu können.

Zu guter Letzt braucht ein Team ein gemeinsames, übergeordnetes Ziel, dem sich auch jeder in dem Team verschreiben kann. Gelingt es dem Team, sich auf ein gemeinsames Ziel zu fokussieren, und ist jeder Einzelne bereit, seine Kraft vollständig in die Erreichung dieses Ziels einzubringen (im agilen Umfeld spricht man dann häufig von Commitment), dann kann echtes Teamwork entstehen. Das Formulieren dieser Ziele ist schon im Sport nicht so einfach, denn es muss ja auch realistisch erreichbar sein (Meister oder Klassenerhalt?). Umso herausfordernder ist diese Aufgabe im Umfeld einer Wirtschaftsorganisation. Wenn ein solches Ziel jedoch nicht (oder nicht mehr) vorhanden ist, dann zerfallen Teams oft recht schnell. Im Unternehmenskontext werden sie dann meist nur noch durch das Organigramm zusammengehalten, aber echtes Teamwork ist dann höchst unwahrscheinlich. Um es mit den Worten von Simon Sinek zu sagen: „Always start with why“, Menschen brauchen das „Wozu“ um Topleistungen zu bringen. Jedes Teammitglied muss auch einen persönlichen Vorteil im Verfolgen des Teamziels sehen.

Professionelle Teamentwicklung

Um ein wirklich hochperformantes Team zu erreichen kommen dann noch einige weitere Faktoren hinzu. Wenn Teams ein kritischer Erfolgsfaktor in komplexen Umfeldern sind, dann müssen sie auch systematisch entwickelt und gefördert werden. Im Sport, besonders im Profibereich, hat man das erkannt. Um ein Team aufzubauen gibt es einen großen Stab an Trainern, Psychologen und Betreuern, die für die Teamentwicklung verantwortlich sind. Im Amateurbereich hängt es meist vom Geschick einzelner Personen (besonders des Trainers) ab, und davon, wie viel Einfluss er ausüben darf und will. Aber immerhin ist sich der kleine Betreuerstab auch im Amateursport seiner Verantwortung für die Bildung eines Teams bewusst. Im beruflichen Umfeld, wo das Verständnis von Teams oftmals noch dem alten Gruppenansatz entspricht, fehlt dieses Verständnis für die Teamentwicklung oftmals leider noch.

Teams werden oftmals aus historischer Nähe zu einem Thema zusammengestellt. Teamgrößen richten sich nach Budget und Ressourcen. In den meisten Weiterbildungen werden grundlegende Themen wie das Tuckmann-Modell (Forming, Storming, Norming, Performing) vermittelt, aber in der Praxis werden trotzdem gerne Teams, die Probleme haben etwas zeitlich zu schaffen, mit neuen Mitgliedern ausgestattet, ohne Rücksicht auf die Teamfindungsphasen, die damit neu ausgelöst werden. Die vermittelten Inhalte werden also nicht wirklich ernstgenommen und als weiche Faktoren und Theorien abgetan.

In agilen Teams immerhin, die immer mehr Verbreitung finden, findet man in der Rolle des ScrumMasters einen Teamcoach, der diese Rolle erfüllen könnte. Allerdings wird diese Rolle in vielen Unternehmen nicht in dieser Richtung verstanden und gelebt. Die Aufgaben des ScrumMasters bestehen dort in der Vermittlung des Prozesses und der Einhaltung der Regeln. Die Entwicklung des Teams steht meistens nicht im Vordergrund. Zudem – oder vielleicht gerade deshalb – sind auch viele ScrumMaster nicht mit den nötigen Fähigkeiten und Kompetenzen für diese anspruchsvolle Aufgabe ausgestattet.

Fazit

Damit wir in Zukunft erfolgreich sein können, brauchen wir funktionierende Teams. Diese zeichnen sich durch echtes Teamwork aus. Teamwork bedeutet, dass ein gemeinsames Ziel verfolgt wird und jeder sich nach besten Kräften für das Erreichen des Ziels einsetzt. Im Mannschaftssport ist dies jedem bewusst, vom Profi- bis zum Amateurbereich. Aber hier zeigt sich, dass es viel Arbeit, Glück und Geschick erfordert, damit wirklich ein echtes Team entstehen kann. In den Unternehmen ist diese Grundvoraussetzung noch nicht so verstanden worden, wie im Sport.

In der Zukunft wird man hier stärker darauf achten müssen, dass man gezielt Teamentwicklung fördert. Dafür braucht man die nötigen Fähigkeiten, damit man diese Aufgabe strukturiert angehen kann. Hier kann man aus dem Sport (besonders dem Profibereich) eine Menge lernen. Im agilen Umfeld hat man oftmals schon Teamcoaches (ScrumMaster) in den Teams, erkennt aber ihren Wert noch nicht richtig. Zudem fehlt diesen auch oft die enstprechende Ausbildung für diese Aufgabe. Wenn eine Organisation Teams aufbauen und entwickeln möchte, um im Markt einen Vorteil zu erzielen, dann muss es sich auch Gedanken um die Besetzung und Ausbildung von Teamcoaches machen. Der Invest in fähige Teamentwickler sollte sich durch das Vorhandensein selbstorganisierter Teams schnell rentieren. Dabei kann man sich viel vom Sport abschauen und hat sogar noch einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Sport: Im Gegensatz zu einer Fußballmanschaft hat man keinen direkten Gegnerkontakt, das Glück spielt für den Erfolg eine geringere Rolle (verglichen mit einem Fußballspiel, wo der Zufall stark berücksichtigt werden muss) und man kann auch mit anderen Teams kooperieren und Netzwerke bilden.

 

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